Perioperative Immun- und Chemotherapie bei muskelinvasivem Urothelkarzinom
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Bei der Diagnose Blasenkrebs weisen etwa 25 % der betroffenen Patienten eine muskelinvasive Erkrankung (MIBC, ≥pT2) auf. Die Standardbehandlung für MIBC ist die neoadjuvante Chemotherapie (NAC), gefolgt von einer radikalen Zystektomie (RC) mit pelviner LN-Dissektion und Harnableitung. Die NAC verbessert das Gesamtüberleben von Patienten mit MIBC (5-8 % nach fünf Jahren) im Vergleich zur alleinigen RC. Allerdings besteht die Vermutung einer Überbehandlung bei einigen Patienten. Daten aus Nordamerika für Patienten mit einer erhaltenen radikalen Zystektomie zwischen 2006 und 2019 zeigen NAC-Raten von 19 % bis 32 % und lassen den Schluss zu, dass die NAC möglicherweise zu wenig genutzt wird. Über den Anteil der MIBC-Patienten, die in Europa eine angemessene perioperative Behandlung erhalten, und die Gründe, warum keine NAC gewählt wird, liegen nur wenige Daten vor. Der Einsatz adjuvanter Behandlungen nach radikaler Zystektomie wird immer noch diskutiert. Eine adjuvante Kombinationschemotherapie auf Cisplatin-Basis (AC) kann das Überleben verbessern und wird für Patienten mit lokal fortgeschrittener und/oder lymphknotenpositiver Erkrankung empfohlen, wenn keine neoadjuvante Chemotherapie durchgeführt wurde. Darüber hinaus wurde der Immun-Checkpoint-Inhibitor Nivolumab für die adjuvante Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem und/oder lymphknotenpositivem (und PD-L1-positivem) Blasenkrebs oder Patienten, die auf eine neoadjuvante Chemotherapie nicht ansprechen, zugelassen, wenn die Tumore eine PD-L1-Expression von ≥1% aufweisen. Bislang gibt es keine realen Belege für die Anwendung der adjuvanten Immuntherapie (AIO). Ziel dieser retrospektiven Kohortenstudie ist es, Trends in der Anwendung perioperativer Behandlungen bei Patienten mit Blasenkrebs in einer zeitgenössischen deutschen Population zu ermitteln. Die Studie könnte lokale Unterschiede und Gründe für Behandlungsentscheidungen aufzeigen. Außerdem sollen die entsprechenden Ergebnisse (Gesamtüberleben, krankheitsfreies Überleben und metastasenfreies Überleben) für die identifizierten Therapieschemata und -sequenzen beschrieben werden. Als sekundäres Ziel wird ein Clustering von Patientengruppen (basierend auf Therapieschemata und -sequenzen) durchgeführt, um Risikogruppen für eine Unter- oder Überbehandlung zu identifizieren. Darüber hinaus sollen strukturelle Verbesserungsmöglichkeiten in der Patientenversorgung identifiziert werden, z. B. durch den regionalen Vergleich der verhältnismäßigen Verteilungen verschiedener systemischer Therapien. |

